Gedankenkarussell

In den letzten einanhalb Jahren bin ich in so einem Wandel mit mir selbst das ich manchmal gar nicht mehr weiß wo vorne und hinten ist. Manchmal wenn mein Gedankenkarussell wieder losfährt nimmt es so eine Geschwindigkeit auf dass ich einfach abspringen möchte. Vielleicht muss ich deshalb einfach mal alles aufschreiben um mich selbst ein bisschen zu ordnen…

Der Wandel bedeutet für mich ein sehr sehr großes Glück da ich glaube mir endlich „gewahr“ zu werden. Und ich denke das passiert gar nicht so vielen Menschen auf der Welt. Zu sehr sind wir alle gefangen in dieser Gesellschaft. Machen viele Sachen nur um anderen zu gefallen. Um reinzupassen in das System. Um gesehen zu werden. Aber bloß nicht die vermeintlich schlechten Seiten. Man muss immer stark sein. Traurig oder mal einen schlechten Tag haben, das sollte man nicht zeigen. Das möchte keiner sehen. Also ich spreche hier nur aus meiner Sicht. Aus meiner Wahrheit. Das sind die Dinge wie ich sie jetzt sehe. Dabei darf ich nicht vergessen dass ich vor nicht langer Zeit anders gehandelt habe, anders gedacht habe.Wenn mir mal wieder etwas richtig klar geworden ist denke ich im gleichen Moment, darauf muss doch jeder kommen. Das müssen doch alle so sehen. Sehr oft verurteile ich Menschen die das anders sehen. Wenn mir etwas klar wird erwarte ich automatisch das müssten doch alle Menschen einsehen das es so das beste ist…

Aber ich merke immer mehr, so funktioniert das aber nicht. Ich kann nicht, ja ich werde richtig sauer über diese Menschen, von Menschen in meinem Umfeld erwarten das sie meine Gedanken lesen können und dann auch noch der gleichen Meinung sind wie ich. Zudem ich noch nicht mal über meine wahren Gefühle und meine Meinung richtig sprechen kann. Ich bin dabei das zu lernen und ich weiß ich habe noch viel vor aber das ist ok.

Ich merke wie allein ich mich damit fühle. Ich bin mir in meinen Gedanken immer so wahnsinnig klar in dem wie ich meinen Kindern und Mitmenschen begegnen möchte nur in der Umsetzung ist das alles so viel schwerer.

Ich weiß sogar woran das liegt aber leichter wird es dadurch nicht.

Ich glaube ich muss von vorne anfangen mit meiner Geschichte über meinen Wandel. Genau in dem Moment als ich das schreibe denke ich mir wo fängt das „Vorne“ an? Ich denke mein Wandel hat mit der Geburt meines zweiten Sohnes Niclas angefangen. Wir hatten eine ziemlich schnelle Geburt in dem kleinen Krankenhaus bei uns im Ort. Er kam so schnell das es unsere Frauenärztin nicht mal geschafft hat bei der Geburt im Kreißsaal zu sein. Es waren nur die Hebamme und mein Mann da. Das war richtig schön. Dann war er da, unser Niclas! Ja jetzt könnte ich heulen. Vor Glück.

Noch im Kreißsaal sagte ich „ich werde ihn aber bei mir behalten“.

(Ich glaube ich muss doch woanders anfangen)

Das war bei unserem Lennart sieben Jahre vorher anders. Erst jetzt wo ich darüber schreibe merke ich wie leid mir das für uns tut. Ja es tut mir wahnsinnig leid (und schon wieder könnte ich weinen). Ich war 18 Jahre alt als unser Lennart auf die Welt kam. Ich hatte mir vorher keine Gedanken darüber gemacht wie die Geburt ablaufen könnte oder was ich gerne möchte. Ich hatte mich kein bisschen über Geburten informiert. Ich hab einfach alles so genommen wie es kam. Die Geburt war auch ziemlich schnell und schön. Ich vertraute meiner Ärztin. Das ist heute auch alles ok für mich wie die Geburt gelaufen ist. Lennart kam um 20:05 Uhr zur Welt. Bis ich mit ihm auf dem Zimmer war vergingen ein paar Stunden.Irgendwann kam die Schwester und meinte sie nimmt ihn mit das ich ein bisschen schlafen kann und mich von der Geburt erholen kann… Ich stimmte zu. Diese Nacht konnte ich kaum schlafen. Um fünf Uhr wurde meiner Zimmernachbarin ihr Baby gebracht, das einen Tag vorher auf die Welt kam. In dem Moment hab ich erst begriffen wie sehr ich mein Baby vermisse. Ich wollte mich nicht ausruhen ich wollte es einfach nur bei mir haben.

Die nächsten beiden Nächte blieb er bei mir. Und erst jetzt wo ich darüber schreibe merke ich wie sehr mir diese erste Nacht mit meinem Baby fehlt. Das war mir noch nie so klar.

Als wir mit Lennart zu Hause waren, kam meine Nachsorge Hebamme einmal zum Hausbesuch. Bei diesem einzigen Hausbesuch erklärte sie mir wie wichtig es sei unser Baby nicht mit ins Elternbett zu nehmen und dass er nur alle VIER! Stunden gestillt werden sollte. Und ich glaubte ihr. Dieser Frau glaubte ich. Obwohl ich Sie kaum kannte, ich glaubte ihr das.

Und wir nahmen ihn wirklich eine lange Zeit nicht mit in unser Bett. Wir sind nächtelang Kreise im Zimmer gelaufen mit einem schlafenden Baby auf dem Arm, das sobald wir es in sein Bett legen wollten, sofort aufwachte und weinte. Was wir nicht alles angestellt haben das er alleine in seinem Bettchen schläft. Ab und zu, als er älter wurde nahmen wir ihn zu uns aber immer mit dem Gefühl das es eigentlich nicht richtig ist. Das stillen klappte sofort gut. Und das mit den 4 Stunden hab ich, zum Glück, nicht hinbekommen. Aber ich weiß noch das ich immer wenn er vor den besagten vier Stunden die Brust verlangt hatte, ich ihn immer mit einem schlechten Gefühl gestillt hatte, weil wir hatten mal wieder die Zeit nicht eingehalten.

Heute weiß ich das zum Glück besser, und ich frage mich wieso zum Teufel haben wir immer auf andere gehört??? Wieso bin ich nicht meinem innersten Gefühl gefolgt? Jetzt weiß ich es! Wir haben es nie anders gelernt als auf das zu hören was uns gesagt wurde. Ich wurde so erzogen. Zu gehorchen. Das zu tun was von mir erwartet wird. Das zu tun um den Erwartungen unserer Eltern gerecht zu werden. Ich sollte gehorchen. Es wird nicht diskutiert. Doch nicht mit einem Kind! Das ist tief in mir drin. Wenn man einmal „Nein!“ sagt darf man nicht mehr zurück! Unsere Kindheit prägt uns fürs Leben. Ich möchte meine Eltern nicht dafür verurteilen, wirklich nicht! Ich weiß das sie ihr bestes gegeben haben. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s